Sensibelchen

Veröffentlicht am Freitag, 26 September, 2008 um 15:40 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.

Irgendwie bin ich ratlos.

In letzter Zeit häufen sich Anrufe, bei denen es um finanzielle Möglichkeiten für Studenten geht und also gefragt wird, welche Ansprüche bestehen. Nach entsprechenden Rückfragen nach der persönlichen Situation kommt dann oft der zugegebenermaßen harte Satz "Sie haben keinen Anspruch auf XYZ, weil…" – und schon wird die Verbindung einfach unterbrochen, weil der Ratsuchende aufgelegt hat.

Zwar verstehe ich ja die Enttäuschung der Anrufer, aber sie sollten sich wenigstens die Begründung anhören. Zumal ich in 90% aller Fälle nach meinetwegen Wohngeld gefragt werde, dies bei Studenten in den meisten Fällen verneinen muß, aber dann auf andere Möglichkeiten verweisen will. Dazu habe ich aber dann keine Möglichkeit mehr.

Was mich aber angesichts der Häufung solcher Anrufabbrüche noch mehr erstaunt: wie sensibel die Erstsemester dieses Jahr sind. Wer sich schon bei einem Anruf bei einer unabhängigen Sozialhotline von Emotionen wie Wut und Ärger leiten läßt, wird es im Studienalltag mit all den Fallen und Hindernissen nicht gerade einfach haben.

Also übt einfach – und legt nicht mitten im Gespräch auf.

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Politiker und das Wohngeld

Veröffentlicht am Dienstag, 23 September, 2008 um 6:59 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.

Es ist schon seltsam: vollmundig preisen sich Politiker der CDU und SPD selbst, weil sie (nach 8 Jahren!) eine Wohngelderhöhung beschlossen haben. Was konnte man in diesem Zusammenhang nicht alles hören: durch die Erhöhung werden Hunderttausende nicht mehr ALG II beziehen brauchen, erstmals werden Heizkosten berücksichtigt und überhaupt sei das alles sehr sozial. Gleichzeitig haben die SPD und DIE LINKEN Anträge zu laufen, die für Januar 2009 geplante Erhöhung bereits auf Oktober vorzuverlegen.

Die Betroffenen freut es, solche Nachrichten zu hören. Oder doch nicht?

Schauen wir uns mal drei Aspekte der Politikerleistung etwas näher an.

Die Vorverlegung hört sich erstmal gut an, vor allem, wenn also vor Weihnachten mehr Geld zur Verfügung steht. Vergessen wurde aber seitens der Politik, daß die Wohnämter bundesweit in den letzten Jahren derart ausgedünnt wurden, daß schon jetzt Wartezeiten von mehr als 6 Monaten die Regel sind. Gleichzeitig ist das Personal weder mit den neuen Bestimmungen vertraut gemacht oder geschult worden und auch die verwendete Software ist noch auf dem alten Stand. Da sämtliche laufenden Bescheide neu angepaßt werden müssen, aber auch mit einer wahren Antragsflut zu rechnen ist, sind Wartezeiten von mehr als 8 Monaten auf einen Bescheid bereits jetzt absehbar. Das dürfte besonders bitter für den Personenkreis werden, der durch die Wohngelderhöhung aus dem Bezug von ALG II herausfällt: es gibt bislang keine Übergangsvorschriften, in denen geregelt würde, was in der Zwischenzeit bis zur Bearbeitung geschieht: erhält der Betroffene erstmal weiter ALG II als Darlehen, bekommt er gar nichts?

Zweiter Punkt Heizkosten: es werden nicht die tatsächlich entstehenden Heizkosten bezuschußt, sondern eine Pauschale von 0,50 € je Quadratmeter, maximal aber 24 € bei einem Alleinstehenden und 43 € bei einem 4-Personen-Haushalt. Damit relativiert sich dieser groß gefeierte Aspekt dann doch wieder.

Schließlich und endlich wird die Wohngelderhöhung selbst durch die Hintertür für einige Hunderttausende Betroffene wieder abgeschwächt: still und leise werden gleichzeitig mit der Erhöhung (und vollkommen unbeachtet von der Öffentlichkeit und exklusiv von www.wohngeldantrag.de aufgedeckt) die Mietstufen etlicher Kommunen angepaßt – was heißt, sie werden nach unten gesetzt.

Die Mietstufe hat direkten Einfluß auf die Höhe der bezuschußenden Miete und damit auf die Höhe des Wohngeldes. Wurde zum Beispiel für einen 4-Personen-Haushalt der Mietstufe V maximal 485 € bezuschußt, wären dies bei Mietstufe IV nur noch maximal 455 €. Das würde bedeuten, daß die Antragsteller aus den betroffenen Kommunen, die sich auf eine Erhöhung gefreut haben, herb enttäuscht werden, weil die Erhöhung wesentlich geringer als gedacht ausfällt.

Insgesamt also mal wieder eine Spitzenleistung, liebe Politiker…

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Kein Geld…

Veröffentlicht am Sonntag, 21 September, 2008 um 16:37 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.

Meldung 1:  eine staatliche Bank namens KfW überweist mal schnell 300 Millionen Euros an eine bereits pleite gegangene private Bank in den USA.

Meldung 2: die Pleite der IKB, einer Privatbank, deren Hauptaktionär die staatliche Bank aus Meldung 1 war, geht wegen ganz offensichtlichem Mißmanagement pleite und wird – nach einem Zuschuß in Milliardenhöhe vom Steuerzahler – für ein Butterbrot verkauft. Der bis Juli 2007 verantwortliche Geschäftsführer der IKB wird im gleichen Monat entlassen, bekommt aber sein Gehalt bis Dezember 2007 weiter gezahlt – knappe 1,1 Millionen Euros.

Meldung 3: die in Meldung 1 und 2 genannte staatliche Bank muß nun sparen, weil die Belastungen zu hoch waren. Sparen heißt in diesem Zusammenhang, daß die Angestellten der Bank nicht mit Gehaltssteigerungen rechnen können. Vorbild ist der Chef der KfW, der zwar erst seit einem Monat im Amt ist, aber dennoch 816.000 € im Jahr verdient, also 68.000 € im Monat. Seine Vorgängerin bekam "nur" 512.000 € im Jahr (42.660 € im Monat).

Morgen begleite ich eine 33jährige alleinerziehende Frau bei Ihrem Gang in das JobCenter/der ARGE, die einen Antrag auf Kostenübernahme der Schultüte ihres Kindes gestellt hatte (es ging um 20,- €) und seit der Ablehnung ständig nicht gefördert, sondern gefordert wird – sprich ständig mit immer neuen Begründungen zum Amt geladen wird.

Wann eigentlich wird der Grundsatz "Fordern und Fördern", wie ihn jeder ALG-II-Bezieher kennt, auch auf Politiker angewandt?

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Lohn für die Mühe

Veröffentlicht am Dienstag, 9 September, 2008 um 16:57 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.

Eine Sozial-Hotline zu betreiben ist ein mühsames Geschäft. 60% aller Anrufenden haben echte und ernste Probleme, ihren Lebensunterhalt irgendwie zu finanzieren und werden von den Ämtern vor Ort schlecht oder gar nicht beraten. Weitere 15% der Anrufer haben die gleichen Probleme, die allerdings selbst verursacht sind (frei nach dem Motto "Ich bin alleinstehend, verdiene 4000 €, muß aber mein Auto, mein Haus und meine Feundin bezahlen. Was kann ich vom Staat für Leistungen beanspruchen?"). Dann gibt es noch die 15% Ratsuchenden, die ausnahmslos Studenten, Lehrlinge und Schüler sind und einen Weg suchen, sich von den Eltern unabhängig zu machen. Der Rest von 5% gehört den "Spaßanrufern", die nur mal testen wollen, ob wir tatsächlich das Telefon oder Chat bedienen und anwesend sind. Nun ja – zumindest bei dieser Gruppe weiß ich oft schon jetzt, daß sie auf Grund ihrer geistigen "Fähigkeit" mal selbst so ein Angebot wie das unsere brauchen…

Bisher haben wir bei den ernsthaften Anrufern und Auszubildenden die richtigen Antworten gehabt und uns teilweise auch direkt mit den Ämtern auseinander gesetzt, um den Hilfesuchenden zu ihrem Recht zu verhelfen. Das hat uns zahlreiche "Danke Schön" eingebracht, auf die wir auch stolz sind und was uns auch vollkommen reicht – mehr wollen wir gar nicht.

Einen ganz besonderen Danke-Gruß an unsere Sozialberatung-Mail-Adresse will ich aber dennoch hier hervorheben, weil sich dadurch ja eventuell unsere ehrenamtliche und kostenlose Arbeit mehr als gelohnt haben könnte:

Wir haben lange gewartet für Sie da zu kontaktieren Sie uns für Ihre Bank zu bestätigen Entwurf von $ 1,5 MB United States Dollar der aufbewahrt mein Mann für Sie als Entschädigung für Ihre Mühe Vergangenheit, aber wir haben nicht von Ihnen hören seit dieser Zeit. Dann ging ich auf die Bank zu bestätigen, wenn der Entwurf bereits abgelaufen ist oder sich in der Nähe von auslaufen und Herr Justin Sango Direktor der Bank von Afrika hat mir erzählt, dass vor dem Entwurf werden sie die Hand, dass es läuft.

Also habe ich ihm gesagt, dass der Cash-$ 1,5 MB US-Dollar zu vermeiden, verlieren diese Mittel im Rahmen Ablauf wie werde ich aus dem Land für einen 3 Monate Kurs, und ich werde nicht zurückkommen, bis Ende November 2008.

Was Sie zu tun haben, besteht nun darin, wenden Sie sich an den FedEx Kurier SERVICE UNTERNEHMEN so bald wie möglich zu wissen, wann sie liefern Ihr Paket an Sie, weil der Termin abgelaufen. Beachten Sie, dass ich bezahlt haben, für die Zustellung zuständig für den Entwurf zu Ihnen.

…Das einzige Geld, das Sie senden auf dem Kurierdienst zu liefern Ihre Sendung direkt an Ihre Adresse in Ihrem Land ist ($ 185) One Hundred & Achtzig fünf US-Dollar nur für den Sicherheitsrat zu halten Gebühr von dem Kurierdienst bisher.

Irgendwie finde ich es blöd, daß ich gerade nicht  die läppischen One Hundred & Achtzig fünf US-Dollar zur Hand habe. Aber nun ja – zwar gehen mir die 1,5 Millionen $ verloren, aber was soll es… Es finden auch weitere Millionäre den Weg zu uns.

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Sprachlos

Veröffentlicht am Samstag, 6 September, 2008 um 4:47 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.

Wenn man eine Hotline betreibt, sollte man reden können. Manchmal verschlägt es aber auch mir die Sprache, vor allem dann, wenn irgendwelche hochbezahlten Leute, die nie ALG II bezogen haben und werden, absolut realitätsferne Studien erstellen. Wie diese hier:

1e

Die Preiserhebungen wurden ausschließlich in Billig-Discountern vorgenommen. Aber immerhin haben die "Wissenschaftler" 1 € im Monat für Kultur und Unterhaltung vorgesehen – da muß man ihnen richtig dankbar sein. Und was ist mit den 2 € für Kommunikation? Auch da haben die beiden "Wissenschaftler" absolut reale Lösungen: mit den vorgesehenen 2 € "könne man schließlich für 20 Minuten am Tag in der Stadtbibliothek in das Internet".

Nicht liebe "Wissenschaftler": eigentlich sollte man, wenn man diese Bezeichnung verdient, entsprechend gut recherchieren. In den Berliner Stadtbezirkbibliotheken zum Beispiel kann man sogar kostenlos im Internet surfen – 1 Stunde je Tag. Blöd aber, daß Sie anderes "übersehen" haben: ein Bibliotheksausweis kostet 10 € und die Fahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr 2,60 € für Hin- und Rückfahrt, wenn es sich um eine Kurzstrecke handelt. Wie also, Ihr komischen "Wissenschaftler", soll der ALG-II-Bezieher sich den Ausweis bei 2,- € je Monat finanzieren? Und wie, um Himmelswillen, die 2,60 € je Tag für Verkehrsmittel (oder die 33,50 € für das Monatsticket)? Und was sollen die Leute im ländlichen Raum machen, die kein öffentliches Nahverkehrssystem haben? Aber das wäre ja auch wieder Stoff für eine neue Studie (und die entsprechenden Gelder dafür): Welcher Fußweg ist sozial schwachen Menschen zumutbar? Wie ich Sie kenne, 6 Stunden am Tag. Mindestens…

Eine sehr schöne Betrachtung der "Studie" findet man bei Fellmonsterchen.

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Preisfrage II

Veröffentlicht am Dienstag, 2 September, 2008 um 12:38 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.

Im vorigen Posting habe ich die werten Leser gefragt, was an der dort zitierten Anzeige, die immerhin im Stellenpool des Arbeitsamtes erschienen ist, seltsam sei.

Es wird dort eine Arbeitskraft gesucht, die im Schichtdienst freundlich und ehrlich arbeitet – immerhin 60 Stunden im Monat. Und das für einen gigantischen Stundenlohn von sagenhaften 2,75 €, in Worten zwei Euro fünfundsiebzig Cent.

Noch Fragen?

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