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Veröffentlicht am Sonntag, 31 August, 2008 um 7:10 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
Was an der folgenden (und tatsächlich veröffentlichten) Anzeige ist mehr als seltsam?
H A L T ! BI T T E genau lesen und unbedingt anrufen . Ich suche dringend eine Verkäuferin für Backwaren und Foodangebote, eine Verkäuferin , die wirklich noch Lust und Freude daran hat arbeiten gehen zu dürfen um etwas nützliches zu leisten. Die Anstellung ist unbefristet für eine Beschäftigung auf 165,00€ Basis.
Besonders gut geeignet für einen Zuverdienst bei Arbeitslosigkeit und für Hartz 4. Angedacht sind ca. 15. Std. wöchentlich. Sie sollten ehrlich, unbedingt zuverlässig und ein sauberes angenehmes Äußere haben sowie ein Lächeln ohne Zahnlücken. Der Backshop ist in einem Supermarkt integriert und an deren Öffnungszeiten angepasst.Die Arbeitszeit ist in Früh, Spät und Zwischendienst eingeteilt. Es werden Backprodukte in den Backofen zur Endbackung bereitgestellt. Außerdem werden selbstgefertigte belegte Brötchen sowie Bockwurst und Kaffee angeboten, welches man auch in einer kleinen Foodecke mit Tisch und Stühlen verzehren kann.
Der Backshop hat eine sehr schöne Lage und ist günstig an einem Knotenpunkt mit Bus und Straßenbahn in Pankow … gut erreichbar.
Dieser Arbeitsplatz ist nicht für Studenten und Schüler gedacht.Gern auch Frauen der reiferen Jugend die angeblich nicht mehr vermittelbar sind. Einarbeitung ist garantiert. Bei uns gibt es eine herzliche, freundliche und sehr soziale Einstellung untereinander.
Als Ansprechpartnerin steht Ihnen gerne Frau … als Kommissionärin zu Verfügung.
Zu erreichen unter Tel. im Shop … .
Danke für Ihr Interesse ich warte auf Ihren Anruf, gern auch am Wochenende .
Auflösung in 2 Tagen.
Veröffentlicht am Samstag, 30 August, 2008 um 4:32 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
Anrufer: Was für ein Sch***-Haufen seid Ihr eigentlich? Kann ja nicht wahr sein! Ich habe absolute Probleme mit dem A***-Wohnamt und Ihr **** meldet Euch nicht. Dabei habe ich Euch Flachw*** dreimal eine Mail geschrieben.
Ich: Guten Tag – das waren zwei Wörter, die normal sind, wenn man jemand anruft und die nicht aus der Fäkaliensprache entstammen. Um was geht es überhaupt?
A: Ich habe vor drei Tagen an Euch Vo*** 3 Mails geschickt, weil ich Hilfe brauche. Aber Ihr Ar***-Lö*** habt es ja nicht nötig, zu antworten, weil Ihr besch*** Dummfi**** nichts anderes zu tun habt als Euch gegenseitig zu besam***
I: <Telefon aufgelegt>
Ich habe den Posteingang gecheckt – es waren tatsächlich 3 Mails vorhanden, die wir aber nicht beantworten konnten, weil die angegebenen Mailadressen ganz offensichtlich falsch waren und als unzustellbar zurückkamen. In den Mails ging es um jemanden, der einen Antrag auf Wohngeld gestellt hat, der abgelehnt wurde. Was mich bei einem angegebenen Einkommen von 4500 € brutto nicht verwundert, vor allem, wenn man alleinstehend ist.
Bleibt nur eine Frage – wie und womit kann man angesichts einer solchen Geisteshaltung und Sprache soviel Geld verdienen?
Veröffentlicht am Samstag, 23 August, 2008 um 13:14 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
Anrufer: Hallo. Ist das Amt berechtigt, meine Kontoauszüge für die letzten 3 Monate zu verlangen?
Ich: Welches Amt meinen Sie denn?
A: Das Amt, was mir ALG II zahlt.
I: Dann ist es prinzipiell dazu berechtigt.
A: Das ist eine bodenlose Unverschämtheit. Ist ja klar, warum so viele rechts wählen! Das werde ich auch tun!
I: Meinen Sie denn wirklich, daß dies unter einer rechten Regierung anders wäre?
A: (Schweigen)
I: Was ist denn das Problem für Sie?
A: Ich sehe nicht ein, was es den Staat angeht, was für Kontobewegungen ich habe.
I: Naja, einen Sinn sehe ich schon dahinter – zum Beispiel, um herauszufinden, ob jemand Einnahmen hat, die er dem Amt nicht angegeben hat.
A: Das kann doch nicht wahr sein!
I: Was ist denn nun Ihr eigentliches Problem?
A: Ich habe die letzten 3 Monaten was bei Ebay verkauft.
I: Und in welcher Höhe?
A: Pro Monat so um die 1500 €.
Alles klar. Ich bin zwar ein kritischer Beobachter der Praxis, Kontoauszuüge zu verlangen – aber in diesem Fall ist das dann wohl berechtigt…
Veröffentlicht am Donnerstag, 14 August, 2008 um 9:03 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
Zur Zeit kann ich nur unregelmäßig schreiben, zu sehr beschäftigen mich zwei Fälle, bei denen wir versuchen zu helfen und die ganz exemplarisch zeigen, wie unterschiedlich Behörden arbeiten (können).
In dem einen Fall geht es um einen Jugendlichen, der ernsthafte Probleme mit seinem Vater hatte und auf Anraten des psychiatrischen Dienstes unbedingt ausziehen mußte. Er hat eine Ausbildungsstelle gefunden – und schläft in eben derselben, ohne Wissen des Chefs und immer mit dem Risiko, erwischt zu werden.
In seiner Verzweiflung wandte er sich an uns und wir haben uns mit den zuständigen Behörden in Verbindung gesetzt – und sind auf jede Menge gefrusteten Beamten gestoßen. Das Problem des Jugendlichen ist kein Einzelschicksal, sondern eine Lücke im Gesetz, denn der Jugendliche hat keinen Anspruch auf irgendetwas – weder ALG II noch Sozialhilfe noch Wohngeld. Die Berufsausbildungsbeihilfe fällt ebenfalls weg, da die dortigen Kriterien nicht hinhauen – alle Beamten kennen das Problem und können doch nichts machen, weil ihnen vom Gesetzgeber die Hände gebunden sind.
Wir konnten helfen, haben eine Notunterkunft gefunden und suchen nun nach einer endgültigen Lösung – es bleiben aber Fragen offen. Dieser Jugendliche hatte noch die Kraft, sich Gedanken zu machen und nach Hilfe zu suchen – wie viele aber verzweifeln in ähnlichen Situationen, schmeißen alles hin und landen tatsächlich auf der Straße, während die Politker tatenlos wegschauen?
Der zweite Fall betrifft eine junge Frau mit 2 Kindern, die bei ihrem Sozialamt um Hilfe gebeten hat, um sofort auszuziehen – der Mann prügelte und vergewaltigte sie. Das Sozialamt erklärte sich für nicht zuständig – und unternahm nichts. Kann man nicht von jedem MENSCH, zumal in einem Sozialamt, erwarten, daß er, selbst wenn nicht selbst zuständig ist, zumindest das zuständige Amt informiert? Kann man nicht erwarten, daß er die Frau wenigstens informiert, was sie machen kann? Scheinbar nicht in einer kleinen Kreisstadt im Westen Deutschlands. Dort informierte man weder Jugendamt noch Polizei, gab keinerlei Ratschläge und schickte die Frau nach "Hause" – zu dem Mann, vor dem sie flüchtete. Zum Glück gab ihr eine Freundin unsere Telefonnummer und wir haben sie sofort in ein Frauenhaus unterbringen können. Gegen den Beamten wir eine Dienstaufsichtsbeschwerde verfaßt, vielleicht lernt er wenigstens daraus etwas für seinen Job.
Manche Politiker, aber auch manche Beamte, sollten sich schnellstens einen anderen Job suchen…
Veröffentlicht am Samstag, 9 August, 2008 um 12:53 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
Bereits hier habe mich über Politiker aufgeregt, die unheimlich realitätsnah die Rolle, die Würde und das Einkommen von ALG-II-Empfängern einschätzen können – trotz ihres eigenen hohen Gehaltes. War es aber in dem vorigen Artikel "nur" der Berliner Bratwurstminister, zeigt nun sogar ein Ministerpräsident, mit welcher Sachkenntnis, Detailtreue und Liebe zur Wahrheit auch Spitzenpolitiker immer dabei sind, wenn es darum geht, die Lage der armen Schichten in der Bevölkerung realistisch einzuschätzen.
Der niedersächsische Ministerpräsident Wulff lehnt nämlich Sozialtarife für Energie ab. Die Missbrauchsgefahr wäre enorm, sagte Wulff. Die beschlossene Erhöhung des Wohngeldes mit der neu eingeführten Heizkostenkomponente sei der bessere Weg, um die Belastung ärmerer Menschen zu verringern.
Aha. Sehr interessant.
Blöd nur, daß erstens die 5 Millionen ALG-II-Empfänger, die Hunderttausende Studenten mit geringem Einkommen und die Rentner mit einer niedrigen Rente gar kein Anspruch auf Wohngeld haben und zweitens die Heizkosten bei dem Wohngeld mit gigantischen 50 Cent je Quadratmeter, bei einem 4-Personen-Haushalt aber maximal mit 43 € "berücksichtigt" werden.
Was also daran der "bessere Weg" sein soll, wird wohl immer das Geheimnis von Wulff bleiben.
Veröffentlicht am Dienstag, 5 August, 2008 um 13:40 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
Anruferin: Hallo. Ich brauche Ihre Hilfe. Ich bin 22 Jahre alt, alleinstehend und habe Probleme.
Ich: OK. Was ist das Problem?
A: Na heute ist Sonnabend und ich habe kein Geld.
I: Nun ja, das mit dem Geld ist zwar blöd, hat doch aber nichts mit dem Sonnabend zu tun, oder?
A: Aber sicher. Ich kann nichts mehr machen und bekomme erst zum nächsten Wochenende wieder Stütze.
I: (nicht selten rufen Menschen an, die z.B. Diabetiker sind und sich so kurz vor Monatsende die Zuzahlung in den Apotheken nicht leisten können. Das kann unter Umständen lebensbedrohend sein. Also muß man solche Anrufe auch ernst nehmen) Was ist denn das konkrete Problem?
A: Ich habe kein Geld, um in die Disco zu gehen.
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