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Veröffentlicht am Donnerstag, 31 Juli, 2008 um 18:22 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
Es gibt auf dieser Welt liebe und böse Menschen. Und es gibt Fellmonsterchen, die vom Planeten Knäcke IV kommen (was jeder Bernd-das-Brot-Fan sofort unterschreiben kann), die nur zwei Macken haben: die eigentlich liebenswerte, aber unbedeutende Idee, die Weltherrschaft zu erobern und – als zweite Macke – von der Idee beseelt sind, Katzen zu Hunden umzuerziehen.
Wie auch immer – ein solches Fellmonsterchen (nein, DAS Fellmonsterchen) hat sich unseren Artikel über Bratwurst-Sarrazin zum Anlaß genommen, den Zirkus Sarrazin ins Leben zu rufen – wer trotz aller Bemühungen der Politiker immer noch lachen möchte, sollte sich den Artikel unbedingt durchlesen…
Veröffentlicht am Donnerstag, 31 Juli, 2008 um 18:00 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
Ich mache die Hotline nun schon seit 3 Jahren und dachte eigentlich, daß ich schon alles am Telefon erlebt habe, was man in diesem Zusammenhang erleben kann. Aber das reale Leben belehrt mich jeden Tag aufs Neue und bringt selbst mich mitunter noch zur Sprachlosigkeit. Wie im folgenden Fall.
Anrufer: Hallo, ich habe ein großes Problem.
Ich: Um was handelt es sich denn?
A: Ich habe gerade einen Brief von der ARGE (Amt, welches für ALG II zuständig ist – Die Red.) bekommen, in dem ich aufgefordert werde, umzuziehen und daß mein ALG II gekürzt wird. Ich bin vollkommen fertig – was ist das für einen Staat, der einen nicht mal menschlich wohnen läßt. Wenn ich umziehen muß, bringe ich mich um!
I: Nun mal langsam. Fangen wir mal an, das ganze aufzuklären. Mit welcher Begründung sollen Sie weniger ALG II erhalten?
A: Ich sollte letzten Monat zu so einem Scheiß-Bewerbertraining und bin nicht hingegangen. Was soll ich auch da? Ich kriege sowieso keinen Job…
I: Also eine Sanktion. Um wieviel wurde denn das ALG II gekürzt?
A: Vollständig.
I: 100 %? Wie alt sind Sie denn?
A: Ich bin 22 und meine Freundin 19.
I: OK. Die Entscheidung als solches ist erstmal richtig, da… (ich erläutere dem Anrufer, daß bei Unter-25-Jährigen verschärfte Sperren gelten und er also maximal gegen den Grund vorgehen kann, nicht aber gegen die Sanktion…)
A: Ja, aber das erklärt nicht das mit der Wohnung.
I: Sie leben mit Ihrer Freundin zusammen?
A: Ja.
I: Wie groß ist die Wohnung und wie hoch die Warmmiete?
A: Wir zahlen für die 95 Quadratmeter 690 €.
I: Naja, für zwei Personen ist die Wohnung tatsächlich nicht nur sehr teuer, sondern auch viel zu groß. Sie haben Anspruch auf maximal 60 qm.
A: Wir brauchen aber die 4-Zimmer-Wohnung!
I: Warum?
A: Na hören Sie mal – unsere Frettchen brauchen schließlich ihr eigenes Zimmer.
Veröffentlicht am Dienstag, 29 Juli, 2008 um 16:59 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
Es ist heiß. Verdammt heiß. Bei 32 Grad im Schatten macht Arbeit kein Spaß und man möchte eigentlich nur die rettende Dusche nach dem Feierabend erreichen. Aber wie froh kann man sein, wenn es wenigstens noch Politiker gibt, die sich trotz der der derzeit bestehenden Hitze auch jetzt schon Gedanken um den kommenden Winter und den dann erhöhten Energiekosten machen.
Bratwurst-Sarrazin gehört zu diesen in die Zukunft blickenden Politiker. Seinen Namen hat der Finanzsenator von Berlin (also Finanzminister eines Bundeslandes) deswegen weg, weil er schon mal behauptete, daß ein auf ALG II angewiesener Mensch hierzulande sich mit dem vorgesehenen Geld von täglich 3,76 € durchaus gesundbewußt ernähren kann. Blöd nur, daß der Herr Finanzsenator übersehen hat, daß ein ALG-II-Empfänger von dieser Summe nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Getränke kaufen muß, ihm also weniger als kalkuliert zur Verfügung steht. Über die weiteren Schwächen in der Argumentation von Sarazin will ich gar nicht erst reden – die von ihm kalkulierten Bratwürste kommt nur vom besonders unter gesundheitlichen Aspekten bekannten Anbieter "ALDI".
Die meisten Zutaten für die Sarrazin-Menüs können nur in größeren Mengen eingekauft werden. Der auf drei Tage ausgelegte Plan müsste sich also ziemlich schnell wiederholen, damit zum Beispiel die restlichen fünf Würstchen aus einer Sechser-Packung nicht verderben. Gesund und abwechslungsreich wäre das nicht.
Wie auch immer – nun also trat der mit ca. 9800 € im Monat schlecht entlohnte Sarazin mal wieder in die Öffentlichkeit.
Sarazin rät Menschen, die unter hohen Heizkosten leiden, ihren Energieverbrauch einzuschränken und die Zimmertemperatur zu drosseln. "Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können", sagte der Politiker der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post".
Nun bin ich ja beruhigt und weiß, weiß, wie ich die drohenden Kosten auffangen kann.
Ich liebe Politiker.
Veröffentlicht am Samstag, 26 Juli, 2008 um 16:34 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
In manchen Fällen leisten wir nicht nur telefonische Beratung, sondern begleiten Anrufer auf ihren Wegen zu Ämtern und Einrichtungen. Ich gebe zu, daß die Kriterien für eine solche Begleitung hart sind (anders können wir das auch nicht ehrenamtlich packen) und in jedem Fall muß es eine Situation sein, die für den Anrufer selbst nicht zu bereinigen ist.
Heute war ich dran.
Sie hatte Anfang 2000 einen Kreditvertrag mit der Sparkasse (einem öffentlich-rechtlichen Bankinstitut) über 7000 Euro abgeschlossen, im Endeffekt muß sie durch Zinsen, Restschuldenversicherung und Bearbeitungsgebühren 10.000 Euro zurückzahlen. Zum Zeitpunkt des Kreditvertrages war von ALG II noch nicht mal die Rede, zur "Sicherheit" diente also die Arbeitslosenhilfe, die wesentlich höher als das heutige ALG II war.
Sie hatte trotz ALG II und einem Regelsatz von 351 € ihre Kreditrate von 140 € weiter bezahlt, aber das war und ist einfach nicht mehr möglich.
Es ging also darum, die Sparkasse darum zu bitten, die monatliche Rate von 140 € auf 50 € zu senken, was immer noch eine echte Entbehrung für die Frau bedeutet. Zumal die Sparkasse bei einem ALG-II-Empfänger schlecht irgendwas pfänden kann und froh sein dürfte, daß sich jemand in dieser Situation freiwillig meldet und um eine Reduzierung der Raten bittet – man hätte auch einfach nicht mehr zahlen brauchen….
Kundenberater (künstlich braun gebrannt, Yuppi-Typ): Wie kann ich Ihnen helfen?
Frau: Ich habe 2000 einen Kredit über 7000 Euro aufgenommen, derzeit sind noch 1200 € offen, die ich aber nicht mehr mit monatlichen 140 € bedienen kann.
K: Warum nicht?
F: Ich bin in ALG II gerutscht und kann einfach nicht mehr diese Raten zahlen.
K: Das ist zwar verständlich, aber wir können eine Umschuldung erst ab 3000 € vornehmen. Sie liegen darunter und das lohnt sich nicht. Ich kann Ihnen anbieten, 2 Monate Aussetzung zu beantragen.
Ich: Entschuldigung, vielleicht haben Sie das falsch verstanden. Es geht darum, daß hier jemand auf ALG II angewiesen ist und also 351 € im Monat für den Lebensunterhalt bekommt. Davon 140 € an Sie zu zahlen ist schlicht unmöglich.
K: Wir haben unsere Vorschriften. Und sie haben die Schulden ja selbst gemacht, das ist also nicht unser Problem.
F: (weint)
I: Sie hat die Schulden gemacht, ja. Aber damals konnte sie nicht wissen, daß es irgendwann ein ALG II geben wird, mit dem ein Leben nur sehr schlecht möglich sein wird.
K: Das ist aber nicht mein Problem. Bitte machen Sie jetzt Platz für echte Kunden.
I: Und nochmal: Sie verlangen also allen Ernstes, daß Frau XXX 140 € an sie zahlt, obwohl Sie nun wissen, daß sie ALG II empfängt und also 351 € zum Leben hat?
K: Ja, selbstverständlich.
Ich gebe zu, ich bin daraufhin ausgerastet, was bei mir äußerst selten passiert. Ich mag es nicht, wenn mir irgendwelche Leute, die nie in einer finanziellen Notlage waren, erklären wollen, daß man selbst schuld an seiner Situation seie. Ich mag es nicht, wenn irgendwelche Yuppies, die keine Ahnung vom realen Leben haben, über ein Schicksal entscheiden (wollen). Und vor allem mag ich es überhaupt nicht, wenn man ALG-II-Empfänger als Verlierer darstellt.
Nach einem kurzem Gespräch mit der Leiterin der Filiale wurde die Rate von 140 auf 50 € gesenkt. Und meine Beschwerde über den Kundenberater ist auch raus.
Veröffentlicht am Dienstag, 22 Juli, 2008 um 16:23 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
Anruferin: Hallo.
Ich: Hallo.
A: Ich weiß nicht, ob Sie mir weiter weiterhelfen können. Ich bin total verzweifelt und weiß nicht mehr weiter.
I: Was ist denn das Problem?
A: Ich habe vor einem Jahr einen Antrag auf EU (Erwerbsunfähigkeitsrente – Anm. des Schreibers) gestellt, weil ich absolut nicht mehr laufen kann.
I: OK.
A: Nun hat mir heute das Jobcenter geschrieben, daß der Amtsarzt das nicht nachvollziehen kann und ich voll arbeiten kann. Was sind das denn für Idioten?
I: Nun ja, Sie haben natürlich die Möglichkeit, dagegen einen Widerspruch…
A: Oh, sorry: Mein Freund ist gerade gekommen. Wir wollen jetzt shoppen gehen – ich rufe Sie nachher an.
Gespräch unterbrochen.
Veröffentlicht am Samstag, 19 Juli, 2008 um 4:45 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
Anrufer: Das Sozialamt hat mir Ihre Nummer gegeben.
Ich: Das ist schön! (Aber nicht ungewöhnlich. Manche Ämter scheinen selbst nicht mehr beraten zu wollen/zu können und schieben diese Aufgabe einfach an Nicht-Ämter wie uns ab… Wobei in diesem Fall wohl das Sozialamt genauso überfordert war wie ich…)
I: Um was geht es denn?
A: Ich wollte wissen, welche finanzielle Unterstützung ich bekomme.
I: Was haben Sie denn derzeit für Einnahmen?
A: Netto habe ich so 300 € zum Leben. Das reicht vorne und hinten nicht.
I: Ist klar. Ist das Lohn oder Gehalt?
A: Ja, Lohn.
I: Und wieviel sind es brutto?
A: 4900 €
I: Im Jahr?
A: Neee. im Monat.
I (tiefes Durchatmen): Und davon haben Sie nur 300 € zum Leben? Was geschieht denn mit dem Rest?
A: Na, ich muß einen Kredit für die Wohnung abbezahlen, das Auto habe ich geleast und nächsten Monat mache ich eine Karibik-Kreuzfahrt, die verdammt teuer ist. Wo also kann ich etwas beantragen?
Irgendwie bin ich fassungslos. Welches Anspruchsdenken haben eigentlich manche Leute? Wo, verdammt nochmal, haben sie gelernt, daß der Steuerzahler für ihre privaten Vergnügungen aufzukommen habe?
Es wird Zeit für eine Welteroberung. Fellmonsterchen, bitte übernehmen Sie…
Veröffentlicht am Freitag, 18 Juli, 2008 um 10:42 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
Anruferin: Ich wollte fragen, ob Sie mir helfen können.
Ich: Wir versuchen es. Um was geht es denn?
A: Ich bin alleinstehend mit 2 Kindern und mein ALG II wurde jetzt um 10% gekürzt.
I: Und warum?
A: (mit leicht zitternder Stimme) Mein Mann hatte vor 10 Tagen einen Unfall, bei dem er starb. Und nun wird das ALG gekürzt, weil ich das nicht gleich gemeldet habe.
I: (fassungslos) Wie bitte?
A: Hier steht, daß ich das spätestens nach 3 Tagen der ARGE (Anmerkung: das zuständige Amt) hätte melden müssen. Und weil ich dies nicht getan habe, wird mir nun das Geld gekürzt.
Wie unmenschlich und unsensibel muß man eigentlich sein, einen solchen Brief an eine Witwe zu schreiben?
Wir haben uns eingeschaltet und die Sperre wurde stillschweigend zurückgenommen. Entschuldigt hat sich aber noch keiner bei der Frau…
Veröffentlicht am Freitag, 18 Juli, 2008 um 6:20 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
Es klingelt.
Anruferin: Guten Tag. Ich wollte mal wissen, was meinem Sohn zusteht. Er ist Student.
Ich: Das kommt drauf an. Wie alt ist denn Ihr Sohn?
A: 32 Jahre.
I: Aha. Dann kommt BAföG nicht mehr in Frage, da (Erklärung der Gründe)
A: Das weiß ich selbst.
Erstes Zucken meiner Augenbraue. Das hätte ja Mami auch gleich sagen können.
I: Welche Einnahmen hat denn Ihr Sohn?
A: Keine.
I: Das geht ja nun schlecht. Wovon lebt er?
A: Wir geben ihm Unterhalt, können das aber nicht mehr, weil wir ein neues Auto und ein Haus gekauft haben.
Nun ja, ein Auto ist natürlich wichtig, Vor allem wenn man darauf angewiesen ist. Da muß halt der Sohn zurückstehen. Komisch nur, daß der Computer eine Berliner Telefonnummer anzeigt. Wo ein sehr gutes Nahverkehrssystem besteht… Und bei einem Hauskauf sollte man eigentlich alle Unwägbarkeiten mit beachten – wie einen Sohn, der studiert und eventuell auf Unterstützung angewiesen ist. Aber solche Bedenken sind nicht meine Aufgabe. Also weiter im Text:
I: Ein Unterhaltsanspruch Ihres Sohnes besteht nicht mehr, also haben Sie bisher freiwillig Unterhalt gezahlt?
A: Ja sicher.
I: Und der Unterhalt wird jetzt nicht mehr von Ihnen gezahlt?
A: Das habe ich doch bereits gesagt.
I: Gut. Dann besteht auch kein Anspruch auf Wohngeld.
Ich erkläre der Anruferin, warum kein Anspruch besteht, wobei es sehr schwierig war, ihr beizubringen, daß jemand, der keine Miete zahlt, kein Wohngeld bekommen kann. Aber irgendwann hat sie es begriffen.
I: Dann sehe ich eher schwarz für irgendeine staatliche Unterstützung. Ein Anspruch auf ALG II besteht ebenfalls nicht, weil diese bei Studenten ausgeschlossen ist. Bleibt also nur ein Darlehen oder ein studentische Job.
A. Das geht nicht.
I: Warum? Und welches Semester ist Ihr Sohn?
A: Er ist im 16. Semester und kann nicht nebenbei arbeiten. Und einen Kredit bekommt er wegen der Schufa auch nicht.
I: Und warum kann er nicht arbeiten?
A: Weil er sich in seiner Freizeit auf seine Band konzentrieren muß. Und ich finde es eine Unverschämtheit, daß er kein ALG II bekommt, Alle Verlierer dieser Welt erhalten das, damit sie weitersaufen können, aber hart studierende Menschen wie mein Sohn sollen wohl verhungern.
Moment mal – hart studierend? 16 Semester? Alle ALG-II-Bezieher Säufer und Verlierer? Irgendwie scheint die gute Frau keinen Bezug zur Realität zu haben.
Die Mutter lamentierte noch eine Weile weiter, zum Glück "fiel" das Telefonsystem jedoch aus.
Veröffentlicht am Freitag, 18 Juli, 2008 um 5:48 von Hoppel.
Kategorien:Allgemein.
Wir betreiben eine Hotline, die in solchen Sachen wie ALG II, Wohngeld, BAföG und anderen Sachen mehr berät. Über die Erlebnisse, Erkenntnisse und Begegnungen im Rahmen der Hotline wollen wir hier berichten.
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